Terminator: Dark Fate wird womöglich der letzte Film der Reihe sein, weil er gerade an den Kinokassen floppt und wohl ca. 100 Millionen US-Dollar Verlust einfahren wird. Und das ist ziemlich heikel, denn Antifeministen spielen ne große Rolle bei diesem Debakel. (Thread.)

Erst mal: Dark Fate war _richtig_ teuer. Geschätzte 190 Millionen Produktionsbudget, nochmal 100 Millionen für Marketing. Er muss mindestens 450 Millionen weltweit einnehmen, um null auf null rauszukommen. 1–2 Wochen nach Release liegt er gerade mal bei 130 Millionen.

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Ihn so actiongeladen-bombastisch (damit teuer) zu machen war übertrieben und unnötig, ja. Aber es ist kein schlechter Film. Die professionellen Kritiken sind eigentlich ganz gut. Nur auf sozialen Medien und in der IMDB wird er verrissen, und zwar oft aus ideologischen Gründen.

Aus den IMDB-Reviews:
„The terminator gets a similar politically correct treatment as the star wars Disney sequels with racial diversity and feminism.“
„Lazy, toxic feminist film“
„destroys T1 & T2 in the first 5 mins, remaining movie is parading current political correctness“

„Heavy political and agenda pushing influence“
„the little hints at how men should behave made me 🙄. Having a non-physical relationship. Yeah right... in what universe, pal.“
„I went there with an open mind but i have the bitter impression that i have seen a political movie“

„This was just more anti-male propaganda. The new terminator is androgynous, and the rest of the movie is about "girl power" and how useless men are“
„made for feminist, gender neutral, lgbt and whatever but not for a regular man“

Ich hör schon auf.

Okay, einer noch. Sorry.

Like, Alter, hast du mal einen x-beliebigen „normalen“ Action- oder Horrorfilm gesehen? Wie da mit Frauen umgegangen wird? Die sind froh, wenn sie ihre Unterwäsche noch anhaben. Statt nem „shut the fuck up“ werden die einfach geschlagen.

I can't even.

Was ich bei diesen antifeministischen Ausbrüchen bei Dark Fate extra gefährlich finde: Das hat nicht erst nach dem Release angefangen, nicht nach dem ersten Trailer, sondern nach den ersten _Bildern_, auf denen die drei Hauptdarstellerinnen zu sehen waren. 4 Monate vorm Release.

Regisseur Tim Miller sah sich damals genötigt, in die Gegenoffensive zu gehen. „trolls on the internet. I don’t give a fuck“ und „If you’re a closet misogynist, [Grace]’ll scare the fuck out of you“ indiewire.com/2019/07/tim-mill

Nur dass ihm die „Trolle“ jetzt den Film zerlegt haben.

Filme mit starken oder prominenten weiblichen Hauptrollen sind hip momentan. Und ich find das gut und nötig und schon lange überfällig. Aber andererseits seh ich hier nen ganz massiven Backlash auf uns zukommen. Einer lauten Minderheit(?) ist das zu viel auf einmal. Zu krass.

„Deren Problem 🤷‍♂️“ würd ich ja sagen. Aber so einfach ist es nicht. Diese Millionen US-Dollar, die Terminator wegen dieser Schreihälse nicht bekommen hat? Die könnte man doch kriegen, wenn man einfach nur nen wundervoll oldschoolig misogynen Actionfilm macht, oder…? Hmmm… 🤔

Ich mein, welcher Film bricht gerade Einnahmerekorde? Joker. Beschrieben als „walks a fine line between exploration and validation of Joker's character“ who is „reminiscent of those who commit mass shootings in the United States as well as members of the online incel community“.

Schlussendlich seh ich hier dieselbe Radikalisierung wie bei Rechts gegen Links, Impfgegner*innen gegen Schulmedizin, Ökos gegen SUVs, Fahrrad gegen Auto, Trump gegen (leider nicht ganz) den Rest der Welt. Argumente sind nicht so wichtig, Emotionen um so mehr. Und Lautstärke.

Mich persönlich macht’s – und das sage ich aus ner sehr privilegierten Position – gerade bei Terminator besonders traurig. Ein Publikum, das sozialpsychologisch bei Bruce Willis im Feinripphemd stehen geblieben ist, zerstört für ideologische Grabenkämpfe ihr Fan-Franchise.

So wie in „games should not be political“ werden progressive Entwicklungen UND GUTE SPIELE VERDAMMT runtergemacht und bis aufs Blut bekämpft, nur um die Dominanz der fragilen Maskulinität nicht zu gefährden. Diversität bitte möglichst vermeiden, alles soll sein wie früher.

Mich macht’s traurig, dass das der Zeitgeist ist, und ich hab zunehmend den Eindruck, „soziale“ Medien haben inzwischen Echokammern biblischen Ausmaßes geschaffen, in denen es nicht mal mehr darum geht, recht zu haben, sondern nur genug Leute mit derselben Meinung.

Aber ich schweife ab.

Ich hatte überlegt, nen Appell auszusprechen wie „schaut euch den Film im Kino an, stimmt mit nem Ticket ab für Diversität und gegen die Unterdrückung“, aber erstens ist das wohl zu spät und zweitens eigentlich sowieso Quatsch.

Ich glaube, mein eigentlicher Appell wäre eher:

Seid selbst kreativ. Produziert und dokumentiert eure eigene Lebensrealität. Unterstützt Künstler*innen, die die Vielfalt fördern. Erzählt anderen Leuten von guten Dingen, die ihr gesehen und erlebt habt. Und ignoriert die Lauten.

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