In so ne Boeing 747 passen übrigens (je nach Modell und Konfiguration) übrigens so grob 350 bis 600 Leute. Wir* haben also aktuell jeden Tag nen Flugzeugabsturz. Jeden Tag. Bam. Keine Überlebende.

* Nur Deutschland betrachtet. Anderswo regnet es weitere Flugzeuge.

Damit Britta mit dem Batikschal neben Ulf mit der Reichsflagge am Brandenburger Tor um ihre Freiheit brüllen darf. Bam – Flugzeug.

Damit Sören sich Ende November das dringend nötige achte Paar Nikes im Foot Locker shoppen kann und danach mit den Kumpels aufm McDonald’s-Parkplatz Burger mampfen. Bam – Flugzeug.

Damit Hans-Ulrich sicher gehen kann, dass die Leute in seiner Firma auch wirklich arbeiten. Weil zuhause werden die nur abgelenkt. Bam – Flugzeug.

Damit niemand merkt, dass Anja seit Jahren verschlafen hat, Deutschland in Sachen digitale Bildung aus den Achtzigern zu befreien. Bam – Flugzeug.

Damit die Leute wegen zu vieler Einschränkungen nicht nächstes Jahr die AfD wählen. Denkt Armin.

Bam – Flugzeug.

Damit die Restaurants möglichst lange offen bleiben. Wenn auch nur bei 30% Auslastung, was es eigentlich fast schon zu nem Verlustgeschäft macht. Diese blöden Angsthasen, die trotz der wirtschaftlichen Folgen einfach nicht essen gehen!

Bam – Flugzeug.

Und damit Hans und Kirstin und Markus und Hilda und Charlene und Tatjana und Onkel Hugo sich wie jedes Jahr bei Glöckchenmusik den Wanst vollschlagen und nach dem dritten Glas Wein in die gewohnten gegenseitigen Sticheleien abrutschen können.

Bam.
Fucking.
Flugzeug.

Und wenn ihr jetzt an die anderen Tweets ein Herz gepackt habt und an den letzten nicht, dann fragt euch vielleicht mal, ob ihr nicht zufällig Hans oder Kirstin oder Markus oder Hilda oder Charlene oder Tatjana oder Onkel Hugo seid. Und ob es das Flugzeug wirklich wert ist.

PS: Ich will ganz deutlich sagen dass z.B. Depression und Suizidalität durch die Isolation oder auch die Maßnahmen selbst reale Probleme sind, um die wir uns kümmern müssen. Nur: Deswegen die Leben anderer Menschen riskieren? Wem steht so etwas zu? Wann wird Selfcare zu Egoismus?

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Man muss nun wirklich kein*e Epidemolog*in sein, um sich auszumalen, wie sich die Zahlen nach Weihnachten (selbst mit Einschränkungen!) entwickeln werden. In die US-Statistiken nach Thanksgiving zu schauen reicht. Aber: Das sind nicht nur Zahlen! Das sind Menschenleben!

Was mich so fertig macht, ist wie viele Leute diese Zahlen einfach kalt lassen. Hinter jeder der 590 stehen einzelne Schicksale. Familien. Einsame, angst- und qualvolle Tode in Isolationszimmern. Ein Flugzeugabsturz ist echt human dagegen. Paar Minuten Panik, dann isses rum.

Natürlich sollt ihr auf euch und eure Psyche aufpassen. Aber ihr solltet dabei auch selbstkritisch genug sein und euch fragen, ob dieses Risiko gerade _wirklich_ nötig ist oder ob ihr nicht gerade den ersten Schritt macht, um Britta mit dem Batikschal von weiter oben zu werden.

Und weil mir Menschen™ schreiben „schön für dich wenn dir die Isolation leicht fällt, aber lass uns Gequälte in Ruhe“: Herzchen, wenn ihr anhand von meinem öffentlichen Twitteraccount beurteilen wollt, wie’s mir damit geht, habt ihr eh schon komplett die Bodenhaftung verloren.

@scy es sind Zahlen. Wir haben keine Verbindung zu dem Schicksal dahinter.

Daran liegt es. Wie schnell ich abgestumpft bin gegenüber der Obdachlosigkeit in Berlin erschreckt mich im Rückblick immer wieder.

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