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70 Vermisste wegen der Unwetter also, soso. Push-Benachrichtigung.

Weckt mich, wenn die Hälfte davon tot ist, ja? Dann sind es mehr als die Corona-Toten gestern.

Verzeiht den Zynismus, aber seit wir letzten Herbst jeden Tag ein Flugzeug voller Leute verloren haben, ohne mit der Wimper zu zucken, ist mir nicht mehr ganz klar, ab wann der Betroffenheitsmodus gilt.

Ah, ist jetzt passiert. Geweckt hat mich natürlich niemand, aber ich nutze die Gelegenheit, um ganz deutlich zu sagen: Jede*r Tote durch politische Tatenlosigkeit ist eine*r zu viel. Was mich stört, ist diese Betroffenheitsheuchelei. Diese Menschen müssten nicht tot sein.

Und das meine ich sowohl für die Corona- als auch für die Unwetteropfer. Klar, für _diesen_ _konkreten_ Regen und _diese_ _konkrete_ Ansteckung ist jetzt vielleicht kein*e Politiker*in _direkt_ verantwortlich. Für die erhöhte statistische Wahrscheinlichkeit des Sterbens? Schon.

Ich find’s bedenklich, wie sich jetzt Leute aufregen, dass _ich_ im Ursprungstweet zynisch gewesen bin. Wisst ihr was wirklich zynisch ist? Sich jetzt als Laschet vor die Kameras stellen und so zu tun, als wäre die eigene Partei nicht mit schuld an diesen Opfern.

Als wäre das was, das einfach so über uns hereingebrochen ist. Nein, Leute, seit den Siebzigern arbeitet ihr dafür, dass mehr Leute sterben. Alles für eure Profite und die eurer Kumpels. Ihr habt kein Recht, da jetzt den Hundeblick aufzusetzen.

„Ekelhaft“ und „krank“ werde ich genannt, ich würde auf den Opfern „rumhacken“. Nee, ich find’s einfach nur unerträglich, dass da Leute sterben und sich die fucking MITSCHULDIGEN hinstellen von wegen „Ogottogott, die böse Natur, thoughts and prayers blabla“.

Uff.

Und der andere Punkt, den ich kritisiere, ist der Mechanismus der Normalisierung von Toten. Denn, mark my words: So wie wir inzwischen nicht mehr über Coronatote berichten, werden auch die Flut- und Hitzetoten in ein paar Jahren nicht mehr der Rede wert sein.

_Das_ ist krank.

Schon jetzt reden wir über so viele vermeidbare Tote nicht mehr, oder haben es nie. Femizide. Alkoholismus. Überhöhte Geschwindigkeit. Fremden- und Queerfeindlichkeit. Toxische Männlichkeit. Fatshaming-bedingte Fehldiagnosen.

Aber bei 30 Flutopfern ist alles anders? Warum?

Und nochmal: Ich sage nicht, dass diese Leute egal sind. Ganz im Gegenteil. Mein Beileid gilt allen Familien, die hier geliebte Menschen verloren haben.

Was ich sage, ist: Warum sind die _anderen_ nicht mehr wichtig? Warum normalisieren wir die? Ist das gesund?

Klar können nicht alle vermeidbaren Toten Zeitungsartikel kriegen, das verkraftet ja kein Mensch. Aber die Klimaopfer werden eben die nächsten, die normalisiert werden, wenn wir nicht endlich von Betroffenheitsarmin & Co. Taten und Konsequenzen einfordern.

Nasen wie der sind schuld daran. Ich würde sogar sagen, auch unser konsumverherrlichendes kapitalistisches System ist schuld daran. Aber klar, wenn so’n Typ auf Twitter darauf hinweist, wie wir alle uns an tägliche Opfer von Politikversagen gewöhnt haben, ist das „ekelhaft“.

Ursprungstweet wurde von irgendwem NetzDG-gemeldet. Twitter hat ihn (den Tweet) für okay befunden. Müsst euch also nicht nochmal die Mühe machen. 😬 Bin ich wieder serviceorientiert heute.

@scy Ich kann dir in allen Punkten nur zu stimmen zu dem was du geschrieben hast.

@scy Du meinst jetzt die Klimaopfer in der westlichen Welt? Denn Klimaopfer gibt es schon länger, die sind für die ehemals kolonisierten Länder schon lange normalisiert.

@scy Edit: für diese Länder/Weltregionen sind sie schon IMMER normalisiert.

@scy das ist nicht krank, das ist kalte Berechnung.

@scy dieses. Das war dann auch die Stelle wo ich die Berichterstattung abgedreht habe. Mir wurde schlecht so wütend war ich.

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